Wandlungsphasen und Funktionskreise

Die Betrachtungsweise und die Konzepte der heutigen chinesischen Medizin wurden bereits vor 2000 Jahren niedergeschrieben. In der chinesischen Medizin werden physische und psychische Erscheinungen als Einheit betrachtet – ähnlich wie in der psychosomatischen Medizin in unserem Kulturkreis.

Nach chinesischer Auffassung sind alle Erscheinungen in der Natur in einen Zyklus von fünf Wandlungsphasen eingebunden, die mit den Jahreszeiten in Verbindung stehen. Jedes Element jeder einzelnen Wandlungsphase nährt die nächste: Beginnend mit dem Holz im Frühling wird das Feuer im Sommer genährt, gefolgt vom Element Erde, Metall und Wasser. Nach dem letzten Element im Jahreszeitenreigen, dem Wasser, beginnt wieder der Frühling mit dem Element Holz, das nun seinerseits vom frisch aufsteigenden Wasser genährt wird. Dieses harmonische Zusammenspiel findet jedoch nicht nur in der Natur ausserhalb von uns statt, sondern auch innerhalb von unserem Körper-Geist-Seele-System.

Organe und die ihnen zugeordneten Funktionen werden in der chinesischen Medizin als Funktionskreise bezeichnet. So gehört zum Beispiel der Frühling zu den Organen Leber und Galle. Jedem Funktionskreis wird zusätzlich eine bestimmte Emotion, ein Sinnesorgan und eine Farbe zugeordnet. Beim Funktionskreis Leber-Galle wird die Emotion mit Wut, das Sinnesorgan mit dem Auge und mit der Farbe grün assoziiert.

Führen wir eine Qi-Gong-Übung aus, die den Funktionskreis Leber-Galle stärkt, kann sowohl die Emotion Wut ausgeglichen werden als auch der zugeordnete körperliche Bereich Muskeln und Sehnen positiv beeinflusst werden.